Ein Praktikum soll dir vor allem Berufserfahrung bringen. Trotzdem spielt Geld eine wichtige Rolle. Besonders bei einem freiwilligen Praktikum, einem Praktikum in einer anderen Stadt oder einer längeren Praktikumsdauer können schnell Kosten entstehen, die du vorher vielleicht nicht eingeplant hast.
Dabei reicht es nicht, nur auf die Praktikumsvergütung zu schauen. Arbeitsweg, Mittagessen, passende Kleidung oder sogar eine zusätzliche Unterkunft können darüber entscheiden, ob sich ein Praktikum finanziell für dich umsetzen lässt. Bevor du eine Stelle annimmst, lohnt sich deshalb ein realistischer Kostencheck. So weißt du vorher, was am Ende des Monats tatsächlich übrig bleibt.
Der Arbeitsweg kann zum großen Kostenpunkt werden
Eine der ersten Fragen sollte sein, wie du täglich zum Unternehmen kommst. Befindet sich dein Praktikumsplatz in deiner Nähe, kannst du vielleicht mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Bei einem längeren Arbeitsweg können die monatlichen Kosten dagegen deutlich steigen.
Prüfe deshalb vor deiner Zusage, welche Verbindung realistisch ist und was sie kostet. Berücksichtige dabei nicht nur den günstigsten theoretischen Preis. Entscheidend ist, welche Strecke du tatsächlich jeden Arbeitstag zurücklegen musst.
Wenn du mit dem Auto fährst, solltest du nicht nur die Tankkosten betrachten. Auch Parkgebühren können relevant sein. Gerade bei einem Praktikum in einer größeren Stadt kann ein Parkplatz jeden Tag zusätzlich Geld kosten.
Manche Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeitenden bei Fahrtkosten oder bieten andere Mobilitätsleistungen an. Ob das auch für Praktikanten gilt, solltest du direkt beim Unternehmen erfragen.
Neben dem Geld spielt außerdem die Zeit eine Rolle. Zwei Stunden Arbeitsweg pro Tag erscheinen nicht auf deinem Konto, beeinflussen deinen Alltag aber erheblich. Ein etwas niedriger vergütetes Praktikum in deiner Nähe kann deshalb unter Umständen attraktiver sein als eine besser bezahlte Stelle mit einem sehr langen Arbeitsweg.
Mittagessen und Arbeitsalltag summieren sich
Ein Kaffee am Morgen, Mittagessen mit den Kollegen und zwischendurch ein kleiner Snack wirken zunächst wie überschaubare Ausgaben. Über mehrere Wochen oder Monate können daraus jedoch beträchtliche Kosten entstehen.
Angenommen, du gibst an jedem Arbeitstag acht Euro für Mittagessen und Getränke aus. Bei 20 Arbeitstagen sind das bereits 160 Euro im Monat. Kaufst du regelmäßig zusätzlich Kaffee oder Snacks, steigt der Betrag weiter.
Informiere dich deshalb vor dem Praktikum, welche Möglichkeiten es im Unternehmen gibt. Gibt es eine Kantine? Kannst du eigenes Essen mitbringen? Stehen Wasser oder Kaffee kostenlos zur Verfügung?
Du musst natürlich nicht jede gemeinsame Mittagspause aus finanziellen Gründen ablehnen. Gerade im Praktikum können gemeinsame Pausen eine gute Möglichkeit sein, Kollegen kennenzulernen. Trotzdem hilft ein festes monatliches Budget dabei, den Überblick zu behalten.
Auch kleinere Anschaffungen solltest du berücksichtigen. Je nach Unternehmen benötigst du möglicherweise bestimmte Kleidung, Schuhe oder eine Tasche für deinen Arbeitsalltag. Besonders bei einem vorgeschriebenen Dresscode können vor dem ersten Arbeitstag zusätzliche Ausgaben entstehen.
Ein Praktikum in einer anderen Stadt wird schnell teuer
Besonders genau solltest du rechnen, wenn du für dein Praktikum vorübergehend umziehen musst. Dann kommen zu deinen normalen Lebenshaltungskosten möglicherweise Miete, Kaution, Fahrtkosten und weitere Ausgaben hinzu.
Ein möbliertes Zimmer für wenige Monate kann deutlich teurer sein als ein langfristiges Mietverhältnis. Gleichzeitig entstehen eventuell weiterhin Kosten an deinem bisherigen Wohnort.
Hinzu kommen einmalige Ausgaben. Vielleicht musst du für den Umzug ein Fahrzeug mieten, zusätzliche Haushaltsgegenstände kaufen oder regelmäßig nach Hause fahren.
Deshalb solltest du nicht nur die monatliche Praktikumsvergütung betrachten. Stelle alle erwartbaren Einnahmen und Ausgaben gegenüber. Erst dann erkennst du, ob das Praktikum für dich finanziell realistisch ist.
Bei einem besonders interessanten Unternehmen kann sich ein finanzieller Mehraufwand trotzdem lohnen. Entscheidend ist, dass du diese Entscheidung bewusst triffst und nicht erst nach dem Praktikumsstart feststellst, dass dein Budget nicht ausreicht.
Rechne den echten finanziellen Wert aus
Für einen realistischen Vergleich kannst du eine einfache Rechnung aufstellen. Beginne mit deiner monatlichen Vergütung und ziehe alle zusätzlichen Kosten ab, die unmittelbar durch das Praktikum entstehen.
Dazu gehören beispielsweise Fahrtkosten, zusätzliche Verpflegung, Kleidung und gegebenenfalls höhere Wohnkosten. Auch einmalige Ausgaben kannst du auf die Dauer des Praktikums verteilen.
Dadurch kannst du zwei Praktikumsangebote wesentlich besser miteinander vergleichen. Eine Stelle mit höherer Vergütung ist nicht automatisch finanziell attraktiver.
Neben den direkten Kosten solltest du allerdings auch den fachlichen Wert berücksichtigen. Welche Aufgaben bekommst du? Welche Erfahrungen kannst du sammeln? Passt das Unternehmen zu deinen beruflichen Zielen? Kannst du Kontakte aufbauen oder Fähigkeiten erwerben, die dir später helfen?
Nicht jeder Nutzen eines Praktikums lässt sich in Euro ausdrücken. Trotzdem solltest du finanzielle Nachteile nicht einfach ignorieren. Ein gutes Praktikum sollte zu deinen beruflichen Zielen und zu deiner persönlichen Situation passen.
Bevor du deine nächste Praktikumsstelle annimmst, nimm dir deshalb einige Minuten für einen ehrlichen Kostencheck. Schreibe deine Vergütung auf und stelle ihr Fahrtkosten, Essen, Unterkunft und weitere notwendige Ausgaben gegenüber. Berücksichtige anschließend auch den fachlichen Nutzen der Stelle. So entscheidest du nicht nur danach, welches Praktikum auf dem Papier spannend klingt, sondern welches Angebot für dich insgesamt sinnvoll ist.

