Ein Praktikum soll Einblicke vermitteln und berufliche Entwicklung ermöglichen. Trotzdem passen Erwartungen und Alltag nicht immer zusammen. Wenn du als Arbeitgeber eine vorzeitige Beendigung erwägst, musst du zuerst klären, welche Regeln für das konkrete Praktikum gelten. Die Bezeichnung im Vertrag allein entscheidet darüber nicht.
Erst die Zusammenarbeit prüfen
Fehler am Anfang sind noch kein Beleg dafür, dass ein Praktikum gescheitert ist. Prüfe, ob Aufgaben, Lernziele und Betreuung verständlich vereinbart waren. Konkretes Feedback im Praktikum hilft dabei, Missverständnisse anzusprechen und Verbesserungen festzuhalten. Entscheidend ist, dass du den Ausbildungsstand des Praktikanten berücksichtigst und keine Leistung wie von einer eingearbeiteten Fachkraft erwartest.
Die Art des Praktikums richtig einordnen
Für ein schulisches Pflichtpraktikum gelten andere Ausgangsbedingungen als für ein freiwilliges Praktikum mit Lernzweck. Steht tatsächlich die reguläre Arbeitsleistung im Vordergrund, ist außerdem zu prüfen, ob rechtlich ein Arbeitsverhältnis vorliegt. Diese Einordnung bestimmt, welche Kündigungsmöglichkeiten bestehen.
| Einordnung | Was du vor einer Kündigung prüfen musst |
|---|---|
| Pflichtpraktikum im Rahmen von Schule oder Hochschule | Praktikumsvereinbarung, Schul- oder Studienordnung und Vorgaben der zuständigen Einrichtung. Die üblichen Kündigungsregeln für Arbeitsverhältnisse gelten nicht automatisch. |
| Freiwilliges Lernpraktikum nach § 26 BBiG | Über § 26 gilt insbesondere § 22 BBiG. Während der Probezeit ist eine Kündigung ohne Frist möglich. Danach darf der Betrieb nur aus wichtigem Grund kündigen. |
| Praktikum ist tatsächlich ein Arbeitsverhältnis | Es gelten die arbeitsrechtlichen Regeln. Bei einem befristeten Arbeitsvertrag ist eine ordentliche Kündigung nur möglich, wenn Vertrag oder anwendbarer Tarifvertrag sie zulassen. |
Eine Orientierung zu den verschiedenen Praktikumsarten bietet der Praktikumsleitfaden der IHK Schwaben. Bei Pflichtpraktika solltest du vor einer vorzeitigen Beendigung auch die zuständige Schule oder Hochschule einbeziehen, damit die erforderlichen Nachweise und weitere Schritte geklärt sind.
Probezeit und Befristung nicht verwechseln
Ein vereinbartes Enddatum bedeutet zunächst, dass das Praktikum für einen bestimmten Zeitraum vorgesehen ist. Daraus folgt kein allgemeines Recht des Betriebs, es vorher ordentlich zu kündigen. Ebenso gilt nicht für jedes Praktikum pauschal eine zweiwöchige Kündigungsfrist während der Probezeit.
Beim Lernpraktikum nach § 26 BBiG gelten besondere Schutzregeln. Eine Vertragsklausel darf die gesetzlichen Kündigungsmöglichkeiten nicht zulasten des Praktikanten erweitern. Kläre deshalb den rechtlichen Status, die wirksam festgelegte Probezeit und die Vertragsbedingungen, bevor du einen Beendigungstermin festsetzt.
Sachverhalt und Gespräche dokumentieren
Eine nachvollziehbare Dokumentation beginnt vor dem Kündigungsschreiben. Sie sollte konkrete Tatsachen, die Sicht des Praktikanten und bereits unternommene Lösungsversuche enthalten. So lässt sich beurteilen, ob weitere Anleitung oder eine Anpassung der Aufgaben die Zusammenarbeit stabilisiert.
Halte insbesondere folgende Punkte fest:
- Datum und konkreten Ablauf relevanter Vorfälle
- vereinbarte Aufgaben, Lernziele und erteilte Anweisungen
- Gespräche, Rückmeldungen und angebotene Unterstützung
- erteilte Abmahnungen sowie die Reaktion des Praktikanten
Vergleiche dabei den bisherigen Verlauf mit den vereinbarten Lernzielen. Fortschritte im Praktikum zeigen sich auch darin, dass Aufgaben mit der Zeit selbstständiger gelingen. Eine langsame Einarbeitung und eine bewusste Pflichtverletzung verlangen unterschiedliche Bewertungen. Für den Vertragsabgleich hilft die Checkliste zum Praktikumsvertrag der Universität Potsdam.
Einen wichtigen Grund sorgfältig prüfen
Eine außerordentliche Kündigung setzt voraus, dass die Fortsetzung des Verhältnisses unter Berücksichtigung aller Umstände und beider Interessen unzumutbar ist. Ein Konflikt im Team oder allgemeine Unzufriedenheit mit der Leistung reichen dafür nicht automatisch aus. Bei steuerbarem Fehlverhalten ist regelmäßig zuerst eine einschlägige Abmahnung erforderlich; bei besonders schweren Pflichtverletzungen bestehen Ausnahmen.
Beachte außerdem die Zweiwochenfrist: Entscheidend ist grundsätzlich, wann der Kündigungsberechtigte die maßgeblichen Tatsachen kennt. Die Regeln ergeben sich je nach Einordnung aus § 22 BBiG oder § 626 BGB. Innerhalb der einschlägigen Frist muss die Kündigung zugehen. Eine saubere Dokumentation hilft dir, den Kenntnisstand und den zeitlichen Ablauf nachzuvollziehen.
Das Kündigungsschreiben auf den Fall abstimmen
Bei einer Kündigung nach § 22 BBiG ist Schriftform vorgeschrieben. Nach der Probezeit müssen die Kündigungsgründe im Schreiben stehen. Auch für die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses gilt Schriftform; eine E-Mail, Messenger-Nachricht oder eingescannte Unterschrift genügt nicht. Für reine Pflichtpraktika sind die Formvorgaben gesondert anhand der Vereinbarung und der geltenden Regeln zu prüfen.
Für einen ersten Entwurf findest du hier eine kostenlose Vorlage für eine außerordentliche Kündigung von Lexware. Passe sie an den Praktikumstyp und den konkreten Sachverhalt an. Insbesondere die bei § 22 BBiG erforderliche Begründung darf nicht durch allgemeine Formulierungen ersetzt werden. Eine Vorlage bestätigt nicht, dass ein wichtiger Grund vorliegt.
Prüfe vor der Übergabe außerdem, ob besondere Schutzvorschriften, eine Betriebsratsanhörung oder behördliche Entscheidungen zu beachten sind. Bei minderjährigen Praktikanten ist der Zugang grundsätzlich gegenüber dem gesetzlichen Vertreter sicherzustellen. Zuständigkeit, Unterschrift und Nachweis des Zugangs gehören deshalb zur Vorbereitung.
Die Beendigung geordnet abschließen
Eine einvernehmliche Aufhebung kommt in Betracht, wenn beide Seiten das Praktikum vorzeitig beenden möchten. Halte das Enddatum und die offenen Punkte schriftlich fest und prüfe die für den jeweiligen Vertrag geltenden Formvorgaben. Bei Pflichtpraktika bleibt zusätzlich die Abstimmung mit der Bildungseinrichtung erforderlich.
Für den letzten Abschnitt des Praktikums sollten diese Aufgaben geklärt sein:
- offene Vergütung sowie bestehende Urlaubs- und Zeitguthaben prüfen
- laufende Aufgaben und Arbeitsmittel geordnet übergeben
- Zugriffsrechte zum passenden Zeitpunkt anpassen
- Zeugnis oder Bescheinigung nach den geltenden Vorgaben erstellen
Auch bei einem vorzeitigen Ende solltest du Dauer und Inhalte des Praktikums korrekt dokumentieren. Ein Praktikumszeugnis oder eine Praktikumsbescheinigung muss den tatsächlichen Verlauf abbilden. Bei einem Pflichtpraktikum entscheidet die zuständige Einrichtung, welche Leistungen und Zeiten sie anerkennt.

