Praktikumszeugnis


Welchen Sinn macht ein Praktikumsbericht?

Zurückhaltung ist bei der Formulierung eines Praktikumszeugnisses nicht angebracht! Wer sich nach dem Abschluss des Studiums bewirbt, steigert seine Chancen wenn er mehrere Praktikumszeugnisse vorweisen kann, da es ein qualifiziertes Zeugnis ist. Dies bedeutet dass es eine genaue Tätigkeitsbeschreibung und eine Bewertung vorweist.

Wichtig ist es, auf vornehme Zurückhaltung zu verzichten da man damit für sich und seine Fähigkeiten wirbt. Falls etwas falsch eingeschätzt wurde oder gar fehlt, sollte beim Zeugnisaussteller nachgefragt werden, um persönliche Nachteile zu vermeiden.
Elemente die in jedem Praktikumszeugnis vorhanden sein sollten, sind

  • Die Überschrift "Zeugnis" oder "Praktikumszeugnis"
  • Datum und Unterschrift des Praktikumsbetriebes
  • Eigener Name und Geburtsdatum
  • Praktikumsdauer
  • Einsatzbereich(e). In solch einer Tätigkeitsbeschreibung sollte nur die qualifizierte Arbeit aufgeführt werden, Sachen wie Kaffeekochen oder Kopieren sind nicht zu erwähnen
  • Eine Bewertung eurer Kompetenzen, wie zum Beispiel praktische Fähigkeiten, Teamfähigkeit, Auffassungsgabe, Kommunikationsfähigkeit, Fähigkeiten im Umgang mit EDV usw.
  • Eine allgemeine Beurteilung eurer Leistungen im Praktikum. Dies ist der wichtigste Punkt welcher durch den Charakter einer Schulnote das gesamte Zeugnis prägt.
  • Eine Schlussfloskel die für die geleistete Arbeit dankt und beste Wünsche ausspricht

 

(k)eine Geheimsprache - die Zeugnissprache


Da ein Zeugnis keine eindeutig negativen Aussagen enthalten darf, entwickelte sich eine Art "Geheimsprache", um trotzdem aussagekräftige Bewertungen abgeben zu können. Wichtig ist, dass die allgemeine Beurteilung möglichst positiv für euch ausfällt. Hier eine Übersicht der am meisten verwendeten "Zufriedenheitsskala":

  • Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit: sehr gut
  • Stets zu unseren vollen Zufriedenheit: gut
  • Zu unserer vollen Zufriedenheit: befriedigend
  • Stets zu unserer Zufriedenheit: durchschnittlich
  • Zu unserer Zufriedenheit: unterdurchschnittlich
  • Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit: sehr schlecht

 

Gewisse Begriffe zeigen überdurchschnittliche Leistungen


Eine gute Allgemeinbewertung ist nicht ausreichend, auch eure Kompetenzen in den Bereichen sollten erwähnt werden:

  • Arbeitsweise und Arbeitseffizienz
  • Auffassungsgabe
  • Sozialverhalten und Teamfähigkeit
  • Fachwissen, bzw. Fachkönnen
  • Lernfähigkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Selbstständigkeit
  • Belastbarkeit
  • Engagement
  • Flexibilität
  • Gegebenenfalls das Auftreten und Verhalten Kunden gegenüber
  • Evtl. EDV-Kenntnisse

Es muss nicht jeder einzelne dieser Bereiche ausführlich gewürdigt werden, aber sie sollten größtenteils Erwähnung finden! Folgende Signalwörter deuten eine überdurchschnittliche Leistung an:

  • Überaus
  • Ausgesprochen
  • Außergewöhnlich
  • Außerordentlich
  • Hervor- oder herausragend
  • Ausgezeichnet
  • In hohem oder höchstem Maß

 

Zum Schluss die besten Wünsche


Passivische Formulierungen sind zu vermeiden (z. B. er/sie wurde betraut), deutlich besser klingen Sachen wie "Er/Sie übernahm", da ihr dadurch aktiver und selbstständiger erscheint.
Auch sehr wichtig ist zum Schluss ein Dank für die geleistete Arbeit und beste Wünsche für den zukünftigen Weg. Dadurch wird ebenfalls die Zufriedenheit des Praktikumsgebers signalisiert.

Am besten ist es, wenn ihr die Möglichkeit habt das Praktikumszeugnis selber zu verfassen, da euch die Praktikumsgeber meist keine Steine in den Weg legen möchten und sie sich dadurch selber Zeit sparen. Aber nicht vergessen: Keine Zurückhaltung, schreibt so positiv wie möglich über euch!


Hier ein Musterzeugnis (Optimalfall)


Herr Max Mustermann, geboren am 03.06.1982 in Rostock, war zwischen dem 01.09. und dem 31.11.2009 als Praktikant in unserem Unternehmen tätig. Unser Unternehmen - (kurze Beschreibung)

In den drei Monaten seines Praktikums lernte Her Mustermann die Abteilung ... kennen. Seine Aufgaben: ... (genaue Aufgabenbeschreibung)

Herr Mustermann hat alle ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit ausgeführt (allgemeine Bewertung: sehr gut). Er arbeitete sich (nicht: Er wurde eingearbeitet) in kürzester Zeit selbstständig in alle relevanten Themenbereiche ein und zeigte über das Normalmaß weit hinausgehenden Einsatz (sehr gute Bewertung) bei der Erledigung seiner Aufgaben. Er konnte dabei sowohl mit seiner äußerst strukturierten Herangehensweise als auch seiner ausgeprägten Konzeptstärke überzeugen.

Darüber hinaus zeichnen ihn Zuverlässigkeit, Kreativität, hohe Belastbarkeit, Teamorientiertheit und Freundlichkeit gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern sowie seine ausgeprägte Auffassungsgabe aus. Besonderes Geschick bewies er im souveränen Umgang mit Kunden (Signal: man traute ihm bereits den Umgang mit Kunden zu).

Wir danken Herrn Mustermann für seine vorzügliche Arbeit und wünschen ihm das Beste für sein berufliches Weiterkommen (wichtiger Passus der wie die allgemeine Bewertung nicht fehlen darf).

Datum, Unterschrift

Nun zeigen wir euch ein Beispielzeugnis wie es nicht aussehen sollte, aber dass ihr so etwas am Ende in euren Händen haltet, ist eher unwahrscheinlich.

Herr Max Mustermann, geboren am 03.06.1982 in Rostock, war zwischen dem 01.09. und 31.11.2009 als Praktikant in unserem Unternehmen tätig. Unser Unternehmen ... (kurze Beschreibung).

In den drei Monaten seines Praktikums hatte Herr Mustermann Gelegenheit, die Abteilung ... und die Abteilung ... kennen zu lernen (eine Gelegenheit, die er offensichtlich nicht wahrnahm).

(Eine genaue Aufgabenbeschreibung fehlt, weil Herr Mustermann vermutlich nichts Nennenswertes geleistet hat)

Herr Mustermann hat die ihm übertragenen Aufgaben im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit ausgeführt (ungenügend). Er war stets bestrebt, seine Aufgaben termingerecht zu erfüllen (war darin aber nicht erfolgreich, über die Qualität der Arbeitsweise wird nichts gesagt). Sein freundliches Wesen ermöglichte eine gute Zusammenarbeit mit Mitarbeitern und Vorgesetzten (nur scheinbar positive Wendung am Schluss. Die Bewertung des Sozialverhaltens ist viel zu kurz, die Nennung der Mitarbeiter vor den Vorgesetzen lässt auf Kommunikationsprobleme mit letzterem schließen).

Wir wünschen für die Zukunft alles Gute.

(Es fehlt die Danksagung für die geleistete Arbeit, die anscheinend nicht den Wünschen entsprach)

Datum, Unterschrift

Fazit:
Ist das Praktikumszeugnis zu kurz, erweckt diese Tatsache sofort Misstrauen. Die Leerstellen kennzeichnen die fehlende Aufgabenbeschreibung sowie die detaillierte Bewertung von Arbeitsweise und Führung. Die niederschmetternde Gesamtbewertung zieht das Zeugnis komplett in den Bereich ungenügend. Diese Art von Zeugnis sollte nicht vorgelegt werden, sondern es im Lebenslauf lieber verschweigen und das Praktikum nicht erwähnen.


Abschließend eine kleine Checkliste für ein Praktikumszeugnis:


Die folgenden Fragen sind mit ja oder nein zu beantworten, eine Auswertung findest du weiter unten.

  • Ist der Umfang des Praktikumszeugnisses angemessen, also je nach Umfang der Aufgabenbeschreibung und Dauer des Praktikums bis zu maximal zwei DIN-A4 Seiten? 
  • Ist die Struktur des Praktikumszeugnisses in Ordnung? 
  • Ist die Beschreibung der Aufgaben frei von Wertungen? 
  • Ist in der Stellenbeschreibung ein ausführlicher Überblick über die Aufgaben (etwa sieben bis acht Punkte) und sind diese nach ihrer Bedeutung geordnet? Ist sie grammatikalisch einheitlich formuliert? 
  • Ist die Benutzung von passiven Konstruktionen vermieden worden? 
  • Sind im Praktikumszeugnis dynamische Attribute enthalten (z. B. motiviert, engagiert)? 
  • Werden die wichtigsten Fähigkeiten bei Aufgabenbeschreibung erwähnt (Belastbarkeit, Auffassungsgabe, Problemlösungsfähigkeit)? 
  • Wird die Arbeits- und Lernweise als effizient/zielorientiert und als gewissenhaft/sorgfältig bezeichnet? 
  • Werden die aufgezählten Attribute durch Adjektive und Temporaladverbialien deutlicher hervor gehoben (z. B. stets ausgezeichnetes Engagement)? 
  • Bezeichnet der Zeugnisautor den Praktikanten mit "stets zur vollsten Zufriedenheit"? 
  • Wird auf Formulierungen verzichtet die distanziert klingen? 
  • Wird auf eher negativ klingende Begriffe (notwendig, in der Regel, weitgehend, erforderlich, notwendig, etc.) verzichtet? 
  • Enthält das Praktikumszeugnis die Formulierung "Sein/Ihr Verhalten war stets einwandfrei/tadellos"? 
  • Sind alle relevanten Kontaktpersonen im Verhaltensteil genannt? Werden die Mitarbeiter erst nach den Vorgesetzten genannt? 
  • Wird im Praktikumszeugnis auf Nebensächlichkeiten verzichtet (z. B. er/sie war immer sehr pünktlich)? 
  • Sind im Schlussteil folgende Bestandteile enthalten: "Wir danken ihm/ihr für die sehr guten Leistungen und wünschen ihm/ihr für den weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und weiterhin viel Erfolg"? 
  • Wird im Schlussteil auf Gesundheits-- und Glückwünsche verzichtet? 
  • Wird der vollständige Name des Unterzeichners maschinenschriftlich wiederholt und wird seine Ranghöhe oder Kompetenz erwähnt? 
  • Sind das Ausstellungsdatum des Praktikumszeugnisses und der Tag des Ausscheidens identisch? 

Falls ihr alle Punkte mit "ja" beantworten könnt, ist das Praktikumszeugnis frei von gravierenden Mängeln! 


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